Mit allen Sinnen lernen: Die Klasse 5 entdeckt die Streuobstwiese im Frühling
Ein sonniger wenn auch etwas windiger Frühlingsmorgen, das leise Summen von Bienen in der Luft und der Duft blühender Obstbäume – für die 5. Klasse wurde die Streuobstwiese zum besonderen Lernort. Statt Klassenzimmer und Tafel standen Naturerfahrung und unmittelbares Erleben im Mittelpunkt. Hier wurde nicht nur gelernt, sondern mit allen Sinnen entdeckt. Schon beim Betreten der Wiese eröffnete sich den Kindern eine neue Welt: Das satte Grün des Grases, die bunten Tupfer von Wildblumen und die großen Blüten alter Apfel- und Birn- und Kirschbäume zogen die Blicke auf sich. Doch nicht nur die Augen kamen auf ihre Kosten.
Beim ersten Programmpunkt hieß es: Anfassen erlaubt! Vorsichtig ertasteten die Schülerinnen und Schüler Schneckenhäuser, Pfirsichkerne, Erlenzapfen und vieles mehr, welche Frau Fischer vorab in kleine Stoffsäckchen gepackt hatte. Als nächstes wurden die Ohren gespitzt. Die Kinder lauschten aufmerksam dem Zwitschern der Vögel, dem Rascheln im Gebüsch und dem geschäftigen Brummen der Insekten. Mit geschlossenen Augen versuchten sie, einzelne Geräusche zu unterscheiden. So wurde das Hören geschult und das Bewusstsein für die Lebewesen der Wiese gestärkt. Mit einem Stethoskop horchten sie die Bäume ab und konnten den Saft im Inneren fließen hören. Mit Lupen und Becherlupen gingen die Kinder dann auf Entdeckungstour und erforschten sehend die Streuobstwiese und Frau Fischer erklärte den Kindern geduldig, was sie alles gefunden hatten. Wer mutig war, erfühlte die Streuobstwiese mit seinem ganzen Körper: Kullernd und rollend ging es durch das Gras den Hang hinunter. Ein besonderes Highlight war das Riechen und Schmecken. Unter Anleitung durften die Kinder an Kräutern wie Brennnessel und kriechendem Günsel schnuppern und erfahren, wie intensiv natürliche Düfte sein können. Besonders beeindruckend war die Eberraute mit ihrem intensiven Cola-Duft. Aber auch der Geschmackssinn wurde angesprochen – neben frischem Apfelsaft durften die Kinder Apfel- und Schnittlauchblüten sowie Bärlauch probieren. Zum Schluss wurden die Kinder noch einmal aktiv: Zunächst schnappten sie sich ein Blatt Papier und Wachsmalkreiden, um die verschiedenen Baumrinden abzuzeichnen. Dabei sind tolle Kunstwerke entstanden. Der krönende Abschluss war blinde Ertasten der Bäume. Paarweise gingen sie von Baum zu Baum, wobei ein Kind die Augen verbunden hatte und die Rinde ertasten durfte.
Am Ende waren sich alle einig: Lernen draußen fühlt sich ganz anders an. Die direkte Begegnung mit der Natur weckt Neugier, fördert das Verständnis für ökologische Zusammenhänge und bleibt lange im Gedächtnis. Die Streuobstwiese ist damit nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein lebendiges Klassenzimmer – eines, das alle Sinne anspricht.

